Bericht zur Straßburgfahrt für Junge Grüne von Maxi Deisenhofer

Es war für viele von uns schon verdammt früh, als am 23.Oktober morgens, oder besser gesagt mitten in der Nacht, der
Wecker klingelte. Aus allen Ecken Bayerns, wie wir später feststellten aber schwerpunktmäßig aus Schwaben, machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Ingolstadt.

Dort erwartete uns schon der sympathische Busfahrer Thomas und unsere allseits beliebte und geschätzte Reiseleiterin Doris, die unser Programm geplant hatte und quasi als „Aufsichtsperson“ für uns 18 bis 25jährige fungieren sollte. Leider waren zwei Teilnehmer kurzfristig erkrankt, was wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht wussten, so dass sich die Abfahrt leicht verzögerte. Um 8.50 Uhr verließen wir aber dann Ingolstadt und kamen nach einer kurzweiligen Fahrt zum Mittagessen in Straßburg an. An den wartenden Massen konnten wir uns dank unserer Anmeldung in der Parlamentskantine und schlauen Kommentaren à la „Lasst und durch, dann zahlen wir auch mal Eure Rente!“ schnellstens vorbeischleusen. Durch ein ausgiebiges und wohlschmeckendes Essen waren wir gestärkt für das restliche Tagesprogramm, das sich erst einmal nur im Europäischen Parlament abspielen sollte.
Leider musste unser Grüne Jugend MdEP Jan-Philipp Albrecht aufgrund einer wichtigen Sitzung das Gespräch mit uns absagen. So trafen wir uns schon früher mit der Parlamentarierin Barbara Lochbihler, auf deren Einladung wir ja überhaupt zu dieser Reise gekommen waren. Barbara ist Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Europaparlament und berichtete unter Anderem von aktuellen Reisen, von ihrer eigenen Vita und den Gepflogenheiten in Brüssel und Straßburg. Natürlich hatten wir anschließend zahlreiche Fragen, die sie alle geduldig und zumeist zu unserer Zufriedenheit beantworten konnte. Nach gut einer Stunde verabschiedete sich Barbara von uns. Sie wurde von einer Referentin des Besucherdienstes abgelöst, die passend zur aktuellen Lage in Europa Halb-Griechin und Halb-Deutsche war. Die Referentin berichtete über die Organisation und die Abläufe im Europaparlament. Besonders beeindruckend war für uns, dass alle Reden simultan in bis zu 23 Sprachen übersetzt werden müssen. Wie genau das ungefähr aussieht, konnten wir dann im Anschluss gleich selbst erfahren. Eine ganze Stunde verfolgten wir, ausgestattet mit Kopfhörern, die Debatte im Plenarsaal mit. Thema war ein mögliches Handelsabkommen mit Israel, bei dem Medikamente auf den jeweiligen Märkten automatisch zugelassen werden sollten. Da alle Abgeordneten nur maximal zwei Minuten Redezeit zugestanden wurde, konnten sie sich immer nur entsprechend kurz fassen. Viele Argumente bekamen wir also mehrfach zu hören. Dafür funktionierten die Übersetzungen auf unseren Kopfhörern einwandfrei. Gegen Ende unserer Zeit auf der Besuchertribüne konnten wir unserer zweiten Grüne Jugend MdEP, Ska Keller, wenigstens von oben noch zuwinken. Danach ging es für uns zum Einchecken und Abendessen ins Hotel Ciarus. Am Abend machten wir noch ein wenig die Innenstadt unsicher und verlebten einen wirklich lustigen Abend, der leider viel zu schnell vorbei ging.

Der zweite Tag begann dann wieder recht früh, denn wir sollten nach dem Mittagessen Straßburg schon wieder verlassen. Nach einem kurzen Frühstück fuhren wir zur Parlamentarischen Gesellschaft, um uns dort von einer Volontärin die verschiedenen EU-Programme für Jugendliche und Studierende erklären zu lassen. Hier konnten viele von uns wichtige Anregungen für ihre politische Arbeit oder ihre private Zukunftsplanung mit nach Hause nehmen. Leider bei etwas bewölktem Wetter liefen wir im Anschluss zum Europarat. Dort begann eine Stadtviertelrallye durch das Europaviertel, die uns die Europäischen Institutionen und Protagonisten noch einmal in Erinnerung rief. Für das Mittagessen kehrten wir noch einmal in die Straßburger Innenstadt zurück und speisten zum Abschluss der Reise fürstlich und typisch elsässisch. Straßburg verabschiedete sich von uns aber nicht nur mit gutem Essen, sondern auch mit ein paar intensiven Sonnenstrahlen, so dass uns der Abschied alles Andere als leicht fiel. Spätestens als wir ein Plakat für eine riesengroße „Erasmus Party“ am Abend gesehen hatten, waren wir uns eigentlich einig, dass wir noch eine Nacht bleiben müssen. Das wäre dann aber vielleicht doch des Guten zuviel gewesen und so machten wir uns auf den Heimweg nach Bayern. Dabei ließen wir uns auch durch einen Megastau bei Stuttgart nicht aufhalten (Grüne sollten vielleicht doch lieber Zug fahren…) und kehrten schließlich alle müde, aber vor allem wohlbehalten, glücklich und voller europäischer Eindrücke zurück nach Hause.

Unser Dank für diese tolle Fahrt gilt natürlich Barbara Lochbihler für die Einladung, unserem Busfahrer Thomas für die souveräne Busreise und last but not least Doris Wagner für die Organisation und die hervorragende Betreuung vor Ort!

Autor*in: Eva Lettenbauer