Der 17-jährige Kurde Ahmed* ist auf dem Weg zu einem Beratungstermin im Therapiezentrum XENION in Berlin. Als Fahrkartenkontrolleure ihm seine Papiere abnehmen, gerät er in Panik und flüchtet. Völlig verstört erreicht er die Einrichtung, doch Polizisten folgen ihm. Als sie in die Therapieräume eindringen, stürzt sich Ahmed aus dem Fenster des dritten Stocks. Er überlebt den Sturz nur knapp.
Derartige Panikreaktionen sind klare Zeichen für eine „posttraumatische Belastungsstörung“. Wer einmal Folter erlebt hat, wird ein Leben lang unter dieser Erfahrung leiden.
XENION ist eine Menschenrechtsorganisation, sie sich um Fälle wie Ahmed* kümmert.
Es gibt in Deutschland jedoch keine staatliche Förderung für Folteropfer. Alle Organisationen, die sich um die psychischen Folgen von Folter kümmern sind auf Privatinitiative gegründet. Nur Wenigen ist bewusst, dass die Folgen der Folter ihre Opfer das Leben lang verfolgt und nicht wenige enden im Suizid. Nicht nur das Leben der Betroffenen ist durch die psychische Folge belastet, sondern auch das der Familie, da Angst und Stress auf diese unbewusst übertragen wird.
Die Therapien von schwer Traumatisierten führen nicht von heute auf morgen zu einer Besserung, sondern brauchen viel Zeit – und entsprechende finanzielle Unterstützung.
Trotzdem müssen die Betroffenen manchmal lange auf einen Therapieplatz warten. Auch XENION muss regelmäßig Aufnahmestopps verhängen, weil die Kapazitäten nicht ausreichen.
Förderung gibt es auch durch den Europäischen Flüchtlingsfond, jedoch werden die Gelder in Deutschland durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verwaltet. Die Behörde ist auch für die Genehmigung und Ablehnung von Asylanträgen zuständig, und ihre Finanzentscheidungen sind nicht zuletzt politische Entscheidungen. Über Folteropfer muss nicht politisch sondern menschlich entschieden werden.

*Name geändert

Quelle:
http://www.amnesty.de/umleitung/2005/deu05/007?lang=de%26mimetype%3dtext%2fhtml